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Über drei Monate hinweg haben wir an unserem Themenabend geplant. Grund war die Präsentation unserer Video-Dokumentation “Wenn die Christbäume fallen”. Diesen Film haben wir im Sommer 2011 gedreht. Ein Rückblick über eine tolle Veranstaltung, organisiert in eigenständiger Arbeit.

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    Artikel zum Themenabend “Jugend gegen Rechte Gewalt”
    von Thomas Eckerl

    Am Samstag, den 24. März 2012 durften wir rund 70 Gäste zu unserem Themen-Abend „Jugendliche gegen rechte Gewalt“ im Bruckstadel in Dingolfing begrüßen. Unter den zahlreichen Gästen fanden sich unter Anderem auch Landrat Heinrich Trapp und Europa-Parlament Abgeordneter Manfred Weber ein. Zentraler Punkt des Abends war die Vorstellung unseres Films „Wenn die Christbäume fallen“, den wir vergangenen Sommer drehten. Als Schauplätze dienten uns dafür u. a. die KZ-Gedenkstätte Dachau, die “Dokumentation Obersalzberg”, sowie das Kehlsteinhaus. Für die Produktion konnten wir als Protagonisten Michael Verhoeven und den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer gewinnen.

    Nach anschließenden Grußworten von Dr. Björn Mensing – Seelsorger in der KZ-Gedenkstätte Dachau – ging es mit einer Lesung aus dem Buch „Geboren im KZ“ weiter. Die beiden Autoren, Eva Gruberová und Helmut Zeller, gaben die dramatische Geschichte von sieben jungen Müttern wider, die im KZ Kaufering I zusammen mit ihren Neugeborenen, trotz katastrophaler Bedingungen, den Holocaust unbeschadet überstanden.

    Nach einer kleinen Stärkungspause ging es mit unserem letzten Programmpunkt weiter: Wir luden unsere Gäste zu einer spannenden Themendiskussion rund um die Thematik „rechte Szene in Bayern und Deutschland“ ein, und ließen sie zu Fragen aus dem aktuellen Tagesgeschehen zu Wort kommen. Neben Manfred Weber und Dr. Björn Mensing konnten wir noch Xenia Jakubek, die politische Geschäftsführerin der Grünen Jugend in Bayern, sowie Katja Reitmaier vom „Runden Tisch gegen Rechts“ aus Passau und den Schülersprecher Jonas Paintner vom Hans-Leinberger Gymnasium in Landshut für unsere Diskussionsrunde gewinnen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf Möglichkeiten, wie man dem Rechten Einfluss, besonders auch auf Jugendliche, am Besten Einhalt gebieten könnte.

    Der Zeitzeuge und KZ-Überlebende Max Mannheimer musste seine Teilnahme aus gesundheitlichen Aspekten leider kurzfristig absagen. Grund genug für uns, ihn noch einmal zu besuchen und mit ihm über unsere bisher gesammelten Eindrücke zu sprechen und auszutauschen.

    Alles in Allem ein wirklich gelungener Abend, mit dem wir hoffentlich unseren Gästen einige neue Denkanstöße mit auf den Weg geben konnten. Wir hoffen, dass unsere Veranstaltung ein Signal oder Zeichen war, dass es mehr solche Veranstaltungen geben sollte!

  • Meinungen hören

    Ohne unser Aufnahmegerät sind wir nie unterwegs. Hier ein paar Meinungen der Gäste und Teilnehmer der Themendiskussion.

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  • Rede von Lukas Schenk

    Meine Damen und Herren,

    „eine schwache Demokratie ist besser, als eine starke Diktatur“. Dieses tolle Zitat von Max Mannheimer ist eines der bedeutendsten Zitate, die es gibt für mich. Als Herr Mannheimer dieses Zitat im Juli 2011 während des Interviews sagte, herrschte kurz Ruhe, weil jeder aus unserem Team diesen Satz reflektierte.

    Ich hoffe, dass Sie ihn aufgenommen haben und für sich Ihre Gedanken zu diesem Satz gemacht haben. Er ist wahr, er ist weise, er zeugt von Lebenserfahrung dieser Satz.

    Dieser Satz stammt von einem Mann, liebe Gäste, dem viele Jahre seines Lebens  Schreckliches widerfahren ist, der Leid ertragen musste und unerdenklich Schlimmes gesehen hat. Er war in meinem Alter, als die damalige Regierung ihn und viele Millionen von Menschen wie Dreck behandelte.

    Es ist für mich unvorstellbar, wie er sich damals gefühlt hat: Wie verarbeitet man als ca. 20-jähriger einen Aufenthalt im Konzentrationslager? Wie geht man mit der Tatsache um, dass die eigene Frau, die Geschwister und auch die Eltern vergast wurden? Diese Fragen habe ich mir vor dem Interview mit Herrn Mannheimer gestellt. Ich wollte sie beantwortet wissen, doch ich glaube auch wenn er Worte für diese Gefühle, die Taten der Nazis und all das gefunden hätte, so würde es die ganze Grausamkeit doch nicht widerspiegeln.Das Einzige, was Max Mannheimer  uns zu diesem Thema sagte, war: „Ich hatte immer nur Angst!“. Dieser Satz „Ich hatte immer nur Angst“, klang für mich beim ersten Mal so hilflos, so unendlich hilflos. Und er war es auch. Nur sein Bruder Edgar überlebte mit ihm die Tortour durch die Arbeits- und Konzentrationsläger.

    Ich hätte Herr Mannheimer heute sehr gerne in dieser Runde begrüßt. Leider hatte  er am Donnerstag den Unfall und muss sich die nächsten Tage erst einmal schonen. Viele Fragen habe ich an Herrn Mannheimer, vor allem eine Frage interessiert mich besonders: „Was fühlen Sie bei den aktuellen Ereignissen der rechten Szene?“ – Ich möchte von ihm wissen, wie es ist, als Überlebender der Nazis, 70 Jahre später noch einmal in der Tageszeitung lesen zu müssen, Rechtsextreme haben wieder Anschläge innerhalb Deutschlands verübt. Wird man da „sauer“ oder resigniert man irgendwann einfach. Gibt man in diesem Fall jemanden die Schuld?

    Verehrte Gäste, 

    ich versprechen Ihnen jetzt, dass ich diese Fragen an Herrn Mannheimer stellen werde. Sobald es ihm gesundheitlich wieder besser geht und sein Terminkalender es zulässt, werde ich ihn erneut für ein Interview besuchen und das nachholen, was heute Abend leider nicht funktioniert. Ich werde Herrn Mannheimer genau diese Fragen stellen und mit ihm darüber sprechen. Mein Team und ich werden dafür sorgen, dass Sie seine Antworten erreichen.

    In den letzten Wochen und Monaten kam immer wieder die Frage: „Warum macht ihr das eigentlich? Warum macht ihr einen Themabend „Jugendliche gegen rechte Gewalt?“ Nun in erster Linie schien es mir einfach zu wenig nur den Film unseren Sponsoren zu zeigen und zu sagen: Nein, wir waren nicht gut Essen von ihrem Geld, sondern haben das umgesetzt, was wir abgesprochen hatten.

    Mit diesem Themenabend wollen wir ein Zeichen setzten und sagen: Das Thema Rechtsextremismus in Deutschland ist präsent! Beschäftigt euch damit!

    Wir werden an diesem Abend kein Rezept liefern können, wie man den Rechtsextremismus in Deutschland stoppt. Dass verlangt auch niemand. Aber meine Damen und Herren, eines habe ich gelernt in dieser Arbeitszeit für unseren Film und für die heutige Veranstaltung: Man muss etwas bewegen, einen ersten Schritt gehen, ja sein Hinterteil hochheben und sich für die Gemeinschaft einbringen.

    Wenn Sie eine Umfrage in der Münchner Innenstadt machen würden und den Passanten die Fragen stellen: Was tun Sie gegen rechte Gewalt? – Die Antwort wäre zu mindestens 70 %der Befragten: „Da muss die Politik etwas tun – wir Bürger haben da keine Entscheidungsgewalt“. Sie sind falsch, diese Aussagen! Wenn alle Bürger Deutschlands die gegen die NPD, gegen das Rechte Milieu, gegen rechtsextreme Verbände und Aktionen in ihren Gemeinden, in ihren Städten und Dörfern etwas unternehmen würden, dann würden die Rechten nicht vom Erdboden verschwinden, aber es wäre eine gemeinsame, kraftvolle und überzeugende Aussage: Wir sind gegen Rechts!

    Das Schlimmste was unserer Gesellschaft in diesem Bereich passieren kann ist die Resignation der Leute. Ich wünsche mir daher von Herzen, dass Sie für sich selbst etwas aus unserem Themenabend mitnehmen können und in Zukunft noch besser hinschauen und zuhören können, wenn es um dieses Thema geht.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere Veranstaltung der Auftakt einer Bewegung, einer Veranstaltungsreihe oder ähnliches hier in Dingolfing, in unserem Landkreis wird. Es braucht den ersten Schritt und ich bin gespannt, wer ihn wagen wird.

    Ich danke Ihnen.

  • Fotos ansehen

    Ein paar Schnappschüsse. Fotos wurden gemacht von Fabian Kramlich

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